Pressestimmen
Zofinger Tablatt, 25. November 2009
Die letzten Töne des Orchestervereins
Das traditionelle Christkönigskonzert des Orchesters Reiden wurde zum Abschiedskonzert. Dabei waren auch der Orchesterverein Rothrist, die Chöre «Cäcilienverein Uffikon-Buchs» und der Kirchenchor Knutwil-St. Erhard sowie die Solisten Adrian Zinniker, Niggi Wüthrich, Manuela von Büren und Joseph Bachmann.
«Wer kann segeln ohne Segel, wer kann rudern ohne Ruder?» Die letzten Töne dieses melancholischen schwedischen Liedes verklingen in der Reider Pfarrkirche. Carole Meier, die Konzertmeisterin hat das Lied gesungen und sich dabei auf der Geige begleitet. Stephan Schwerzmann, der letzte Präsident des Reider Orchesters, erklärte daraufhin, dass man sich schweren Herzens entschlossen hätte, das Orchester Reiden aufzulösen, es fehlten die Segel und die Ruder, es fehlte der Nachwuchs. Eine Rose gabs für die Leute, die eine beachtliche Zeit ihres Lebens in diesem Orchester mitgespielt haben, manche 20, 30 oder gar mehr als 40 Jahre. Eine Spur von Wehmut lag in der Luft.
Ein feierliches Programm
Diese leichte Wehmut hatte schon angeklungen beimEröffnungsstück des Konzertes, in Griegs Sätzen «Gavotte» und «Musette» aus der Holbergsuite. Man wollte bei den sanften, aber doch recht satten Klängen des Orchesters gar nicht so richtig glauben, dass es mit diesem Ensemble nun vorbei sein sollte. Auf dem Podest sass nämlich eine stattliche Anzahl Streicher und Bläser. Des Rätsels Lösung: Ein Grossteil der Musiker stammte aus dem Orchesterverein Rothrist. Zusammen mit den beiden Chören von Uffikon-Buchs und Knutwil-St. Erhard und vier Bläsersolisten hatte man ein festliches feierliches Programm vorbereitet. Man hatte nicht lange Gelegenheit, der Wehmut nachzuhangen, denn jetzt trat der Klarinettist Adrian Zinniker aufs Podest und sorgte mit seinem Werk «Variationen für Klarinette und Streicher» von Joseph Küffner für heitere Stimmung.
Zinniker ist hierzulande kein Unbekannter: Der Soloklarinettist des Aargauer Sinfonieorchesters war schon gelegentlich mit dem Reider Orchester zusammen zu hören und er leitete während vielen Jahren erfolgreich die Reider Musikschule. Weniger bekannt dürfte der Komponist Joseph Küffner sein. Vom deutschen Geiger und Militärmusikdirektor aus dem 18./19. Jahrhundert werden heute nur noch wenige Werke gespielt. Deren Qualitäten lassen sich aber erahnen,wenn man weiss, dass seine Werke lange Zeit fälschlicherweise grossen Meistern zugeschrieben worden waren.
Seine Klarinettenvariationen (Carl Maria von Weber zugeschrieben) sind ein typisches Beispiel von Salonmusik seiner Zeit: Ein Thema mit Variationen gibt dem Solisten Gelegenheit, seine Meisterschaft unter Beweis zu stellen Und Zinniker tat das denn auch vortrefflich. Nicht nur seine virtuose Fingerfertigkeit war zu bewundern, ebenso seine Musikalität und sein betörend geschmeidiger Ton in langsamen Teilen. Und das Orchester hielt gut mit. Es meisterte seine Teile aufmerksam und sorgfältig.
Schon folgte der nächste Höhepunkt: Auf dem Podest standen nun drei Trompetensolisten, zwei Männer und eine Frau. Und weil Dirigent Joseph Bachmann diesmal zu den Solisten gehörte, übergab er die Leitung seinem Kollegen Georg Furrer. Dieser leitete nun das Feuerwerk von Georg Philipp Telemann, dem grossen Kontrahenten Johann Sebastian Bachs. Mit Eleganz und Strahlkraft meisterten die drei Solisten ihren Part und rissen das ganze Orchester mit. Dieses lief zu seiner Bestform auf, ein wahrer Genuss.
Werk von Joseph Haydn
Kein Christkönigskonzert ohne Chorwerke. Während in früheren Jahren stets der Kirchenchor Reiden hier seine Aufgabe wahrnahm, öffnete man sich mit der Zeit und arbeitete mit befreundeten Chören aus der Region zusammen. Dieses Jahr waren die Chöre aus Uffikon-Buchs und Knutwil-St.Erhard an der Reihe. Die Programmverantwortlichen hatten viel Mut bewiesen und recht anspruchsvolle Werke ausgewählt. Aus Haydns «Kleiner Orgelsolomesse» erklangen die beiden ersten Sätze. Manch einer der Zuhörer wird sich gesagt haben: Diese Messe kenne ich doch. Die haben wir vor zwei, vor vier oder fünf Jahren auch gesungen.
Die Hoffnung bleibt
Tatsächlich handelt es sich um das meistgesungene und -gespielte geistliche Werk von Joseph Haydn. Umso schwieriger ist es, den kritischen Ohren der Zuhörer standzuhalten. Man spürte am Sonntag: Die Chor- und Orchesterleute waren sehr gut vorbereitet, sie beherrschten ihren Part. Und der Gesamtchor, es waren gegen 50 Leute, verfügt über ein beachtliches Stimmenpotenzial. Besonders die Diskantstimmen wirkten jugendlich hell und kräftig. In Mozarts «Te Deum» stossen Laienchöre und Laienorchester bisweilen an ihre Grenzen. Aber man schlug sich heute recht gut.
Die Musik vom Sonntagabend weckte Lust auf mehr. Sollte das jetzt wirklich das Ende sein, das Ende des heutigen Konzertes und das Ende einer 150-jährigen Orchestervereinsgeschichte? Noch darf gehofft werden, dass nach einer Pause wieder etwas heranwächst, etwas Ähnliches entsteht und so an die Tradition der Christkönigskonzerte anknüpfen wird.
Renata Woll
Zofinger Tagblatt, 25. Juni 2009
Auflösung mit einem Hoffnungsschimmer
Der Präsident des Orchesters sieht auch Chancen, die sich mit der neuen Lage ergeben haben.
Das nächste Christkönigskonzert wird zugleich zum Abschiedskonzert des Orchesters Reiden. Nachwuchsmangel hat das Orchester zu diesem schwierigen Entscheid geführt.
«Wir sind kein Orchester, das geschlafen hat», verteidigt Stephan Schwerzmann das Orchester Reiden. Der Präsident des Orchesters nagt an der geringen Mitgliederzahl, so kamen noch 14 Personen an die letzte Generalversammlung. Davon musizieren gerade noch ein knappes Dutzend im traditionsreichen 148-jährigen Orchester: drei in der 1. und fünf in der 2. Geige, zwei an der Bratsche und eine Person Cello. Und die Aussicht auf Nachwuchs ist düster. Zusammen mit dem Vorstand und allen Mitgliedern beschäftigt sich der Präsident seit längerer Zeit mit der dünnen Personaldecke.
Die Jungen gehen wieder
Zwar kämen immer wieder jüngere Streicherinnen und Streicher hinzu, die dem Verein aber nur kurze Zeit die Treue hielten, klagt Schwerzmann. «Sie machen etwas anderes, reisen, studieren und viele fühlen sich nicht so wohl bei uns Älteren», schickt er eine Begründung nach. Er hat dafür aber Verständnis, denn wer jung ist, soll die Welt erkunden und sich bilden. Stephan Schwerzmann selber ist Lehrer an der Sekundarschule Rothrist, verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern. Mit seinem Alter von 34 Jahren gehört er zu den jüngeren Mitgliedern.
Das Orchester Reiden rastete in den vergangenen Jahren nicht, sondern suchte immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Chören, Vereinen und Musiken. In diesem Jahr etwa unterstützte der Orchesterverein Rothrist das Reider Orchester an Konzerten in Uffikon und Knutwil. Eine zukunftsfähige Lösung bringt diese Verbindung aber nicht, da auch bei den Rothristern kein Nachwuchs vorhanden ist.
Immer wieder Geld sammeln
Zudem beeinflusst der Faktor Geld das Vereinsleben. «Im Hinblick auf unsere Konzerte haben wir immer Zuzüger verpflichtet. Vielfach sind das Profimusiker, die ihren Preis haben», sagt der Präsident. Auch das Probelokal und der Dirigent kosten einiges. Die treuen Sponsoren und Gönner stopften bislang viele finanzielle Löcher, doch in Zukunft wird das immer schwieriger. «Der finanzielle Aufwand für die Durchführung der Konzerte war vielfach defizitär, auch weil vor allem die Sommerkonzerte schlecht besucht waren», bilanziert Stephan Schwerzmann. Das Orchester Reiden und dessen Mitglieder taten sich schwer mit dem Entscheid an der letzten Generalversammlung, den Verein im Jahre 2010 aufzulösen. In einem informellen Gespräch bot Christian Sigg, Präsident des Orchesters Zofingen, eine Fusion mit Reiden an, Stephan Schwerzmann hatte aber Bedenken: «Von uns wären nur etwa sieben Mitglieder in den zusammengeschlossenen Verein mitgekommen. Zofingen hat 35 Mitglieder. Das wäre uns peinlich gewesen», erklärt er. In der Diskussion um die Zukunft des Orchesters Reiden schlugen einige Mitglieder einen abgespeckten Verein mit wenigen Aktivitäten und ohne Konzerte vor, die Mehrheit im Verein sah darin aber keine Lösung. «Das wäre der langsame Tod gewesen. Ohne Dirigent, ohne Konzert und ohne Ziel wäre der Verein sehr unattraktiv», findet Stephan Schwerzmann.
Neuanfang in Zofingen
Noch immer ist Stephan Schwerzmann hin- und hergerissen, wenn er auf den Beschluss der Generalversammlung angesprochen wird. «Es war eine schwierige Entscheidung», gibt er zu bedenken. Trotzdem verheimlicht er nicht, dass ihm der Entscheid auch Erleichterung bringt. Es sei auch eine Chance für alle, sagt er. Schwerzmann selber wird weiter seine Geige hervorholen und musizieren - in einem Orchester. «Ziemlich sicher», verrät er, klopft Stephan Schwerzmann beim Orchester Zofingen an. Ihm werden andere folgen. Christian Sigg wird sie alle mit offenen Türen empfangen, verspricht er.
Thomas Stillhart
Zofinger Tagblatt, 25. März 2009
Unter dem klaren Gestus von Gesamtleiter Georg Furrer, der der anspruchsvollen Aufgabe der Direktion eines solchen Konzertes stets gewachsen schien, machte "Stabat Mater" aus der Feder Tommaso Traettas den stimmungsvollen Auftakt. Dem Chor gelang es, die melancholische Grundstimmung des ursprünglich aus dem Mittelalter stammenden Gedichtes der Trauer Mutter Gottes um ihren gekreuzigten Sohn wiederzugeben. Die beiden Solistinnen Béa Furrer, Sopran, und Nadja Stutz, Mezzosopran, ergänzten sich stimmlich gut und vermochten die Kirchen mit harmonischem Klang zu füllen.
Russische Instrumental-Kunst
Sei es bei der "Sonate I in D" von Giuseppe Sarti oder auch der "Missa Brevis Sti. Johannis de Deo" von Joseph Haydn, die Solistinnen und der Chor schienen auf der Höhe der Aufgabe und wurden von Marina Bélaja am Cembalo und an der Orgel auch aufmerksam und musikalisch begleitet. Einen weiteren Höhepunkt der Konzerte bildete das Instrumentalduett von Marina Bélaja am Cembalo und Elena Listratova an der Barockvioline, das auch einen instrumentalen Kontrapunkt zum ansonsten vom Gesang dominierten Konzert darstellte und einen Hauch russischer Instrumental-Kunst in die beiden Pfarrkirchen brachte.
Den Abschluss der rundum geglückten Konzerte, die von den jeweiligen Pfarreileitern Franz Allemann und Edwin Rutz moderiert wurden, machte der Lobgesang "Te Deum Laudamus KV 141" von Wolfgang Amadeus Mozart. War das Anfangsstück noch eher von Ruhe und Melancholie geprägt, setzte das Schlusslied einen stimmgewaltigen und feierlichen Schlusspunkt der mit Ovationen verabschiedeten Konzerte.
Zofinger Tagblatt, 26. November 2008
Renata Woll
Zofinger Tagblatt, 30. Juni 2008
Renata Woll
Zofinger Tagblatt, 27. November 2007
Unbedingte Hingabe zur Musik
Stolz und schön der Auftakt, mächtig der Schluss und mittendrin ein furioses Violinenkonzert: Das Orchester Reiden mit Solisten und Chor konzertierte am Sonntag in der Reider Pfarrkirche.
Antonio Vivaldi ist
unbestritten unter den klassischen Komponisten nach wie vor ein
Publikumsliebling. Seine festlichen, klaren Stücke spielen sich in die Herzen
des Publikums, und so war der grosse Publikumsaufmarsch am Christkönigskonzert
von Sonntagabend nicht verwunderlich. Die Liebhaber klassischer Musik wurden mit
auf Hochglanz polierten Musikperlen belohnt. Abwechselnd dirigierten Joseph
Bachmann und René Limacher das Konzert. Das Concerto in C-Dur für zwei Trompeten
und Orchester machte den Anfang. Die beiden Solisten Joseph Bachmann und Niggi
Wüthrich ernteten begeisterten Applaus für ihre gekonnte Darbietung, und das
anschliessende Concerto in A-Dur für Streichorchester und Basso Continuo bewies
das Können des Orchesters Reiden.
Ein erster Höhepunkt war das Concerto «Il favorito» mit Solist Markus Fleck
unter Dirigent Joseph Bachmann. Das in ungeahnter Schnelligkeit gespielte
Allegro beeindruckte und faszinierte zugleich. Der Bogen huschte über die
Saiten, gab im Adagio des in E-Moll geschriebenen Werkes die besinnliche Seite
wieder, bevor im folgenden Allegro erneut virtuose Fingerfertigkeit und die
unbedingte Hingabe zur Musik die Zuhörer begeisterte. Für seine Darbietung
erntete Markus Fleck grossen Applaus. Abschluss und gleichzeitig Höhepunkt, wie
es im Programm hiess, war das Gloria in D-Dur für Sopran, Mezzosopran, Chor und
Orchester, dirigiert von René Limacher. Klar intoniert und nuanciert sang der
Kirchenchor St. Andreas Wolhusen den Chorpart, und die beiden Solistinnen
Marysol Schalit (Sopran) und Rebecca Nunez (Mezzosopran) harmonierten perfekt im
Duett, bevor sie auch in Soloparten brillierten. Gewaltig und schön klang das
Gloria durch die Pfarrkirche, und das Publikum dankte den Künstlern und
Künstlerinnen mit lange anhaltendem Applaus am Ende des Konzertes für einen
Abend mit Vivaldis Werken auf höchstem musikalischen Niveau.
Rosmarie Brunner-Zürcher
Oberwiggertaler, 5. Juli 2007
Gelungenes Sommerkonzert
Mit einer Serenade trat das Orchester Reiden im Pfarreisaal Reiden und in der Arche Damgersellen auf. Unterstützt wurde es von der Regionalen Musikschule Reiden, Musikschullehrern/-innen und von der Musikgesellschaft Reiden.
Marsch-, Walzer und Filmmusik wussten zu begeistern und zu hören waren auch Polkaklänge. Das Konzert stand unter der neuen Leitung von Joseph Bachmann. Man hätte dem sympathischen Orchester einfach mehr Besucher gegönnt.
Als ein Experiment bezeichnete Joseph Bachmann das Zusammenspiel mit vier jungen Geigenschülern von Markus Fleck an der Musikschule Reiden. Bei einer Poka française "Im Krapfenwaldl" von Johann Strauss durften die stolzen Kinder mitspielen und die Erfahrung eines grossen Auftritts geniessen. Ein Experiment, das viel Geduld von der Musikern abverlangte, aber ein toller Erfolg war. Statt einer Pause gab es ein Intermezzo in Reiden mit dem Holzbläser-Ensemble "Più Legno" von der Regionalen Musikschule, unter der Leitung von Christina Wyss Djoukeng und Ueli Nyffeler. In Dagmersellen bestritt das Intermezzo Cécile Zemp-Sigrist, Gesang und Joseph Bachmann, Akkordeon. Das Akkordeon und Joseph Bachmann sind eine Einheit, wenn er spielt! man munkelt, er sei einer der Besten auf diesem Instrument und beim Zuhören glaubt man das sofort. Fulminant unterstützte er das Orchester und zusammen bezauberten sie das Publikum.
In einem Zuge durften die Zuhörer diese Serenade zu Gemüte führen und konnten beschwingt den Abend mit einem gelungenen Konzert geniessen.
Die meisten Musiker des Orchesters Reiden stammen nicht mehr von Reiden und sind doch mit Reiden sehr verbunden und schon lange mit viel Freude am Musizieren dabei. Das Orchester besteht schon seit 146 Jahren und seit kurzem heisst der Verein nur noch Orchester Reiden. Der Präsident Stephan Schwerzmann würde sich über Neumitglieder und Streich-Musikerinnen und -Musiker sehr freuen.
V. Kilchenmann
Zofinger Tagblatt, 3. Juli 2007
Erlebnisreiche Serenade
Dagmersellen: Musikalischer Auftritt des Orchesters Reiden in der Arche
Der Auftritt des Orchesters Reiden unter der neuen
Leitung von Joseph Bachmann sorgte an der Serenade vom Sonntagabend für ein
musikalisches Erlebnis. Cécile Zemp-Sigrist sang sich mit fünf europäischen
Volksliedern in die Herzen der vielen Zuhörer.
Der erste Programmteil des Konzertes in der «Arche» war Wien und seiner
unvergänglichen Musik gewidmet. So gelang den dreissig Instrumentalisten unter
der überzeugenden Leitung von Joseph Bachmann die Eröffnung der Serenade mit dem
«Florentiner Marsch» von Julius Fucik ausgezeichnet. Nach dem Grusswort des
Präsidenten Stephan Schwerzmann folgte der bekannte Wiener Walzer «Wein, Weib
und Gesang». Ebenfalls vom Komponisten Johann Strauss wurde die Polka française
«Im Krapfenwaldl» auf vorzügliche Art dargeboten.
Intermezzo mit Cécile Zemp-Sigrist
Zur Einstimmung sang die talentierte Sopranistin Cécile Zemp-Sigrist
unter gekonnter Akkordeonbegleitung durch Joseph Bachmann fünf europäische
Volkslieder, darunter «Ein blauer Tag» von Hans Rölli, Ehrenbürger von Altbüron.
Diese Art Zwischenspiel gefiel den Zuhörern bestens, wie der Applaus bewies.
Der dritte Teil des anspruchsvollen Konzertes wurde als Reise durch Europa
gestaltet. Diese begann in Russland mit der Wiedergabe der russischen Skizze
«Baikal» von Igor Sarsekov. Es folgte die französische Valse musette «Le retour
des Hirondelles» von Pagano Trognée, arr. von Joseph Bachmann. Mit der Filmmusik
«Amarcord» von Nino Rota waren die «Reisenden» in Italien eingetroffen. Und mit
dem Walzer «Frauenlob» fand die abwechslungsreiche musikalische Reise ihren
Abschluss.
Mit weiteren verlangten Zugaben bestätigten die Zuhörer das Verständnis für
Orchesterdarbietungen dieser Art. Sie dankten dem Orchester Reiden mit
Konzertmeister Stephan Gfeller damit für diese erlebnisreiche, musikalische
Serenade. (HS)
Zofinger Tagblatt, 28. November 2006
Spielfreudig und souverän
Orchesterverein Reiden musizierte am Abschiedskonzert von Pius Haefliger zusammen mit dem Kirchenchor Dagmersellen
Pius Haefliger schenkte sich und dem Reider Orchester nach elfjähriger Zusammenarbeit zum Abschied ein herrliches Saxophonkonzert.
Vor und nach dem Solokonzert erklangen Gesänge und Orchesterwerke von Bruckner, Sibelius, Telemann und Mozart. Der Reider Orchesterverein, in dessen Reihen am Sonntag auch Haefligers Nachfolger Joseph Bachmann als Trompeter mitwirkte, musizierte mit dem Kirchenchor Dagmersellen zusammen.
So hat man Pius Haefliger während elf Jahren in Reiden erlebt: musikalisch, originell, mutig, spielfreudig, souverän. Und genau so gab er sich auch am Sonntag als Solist in seinem Saxophonkonzert. Haefliger hat es seinen Musikern von Reiden zum Abschied geschenkt. Er hat es exakt auf seine eigenen Fähigkeiten zugeschnitten. Streckenweise recht anspruchsvoll in Rhythmus und Harmonien, frech, witzig, vorwärtsstrebend, voll farbiger Koloraturen für den Solisten, dann wieder elegisch, den schönen Ton auskostend, in Melodie schwelgend.
Immer wieder Neuland betreten
Haefliger konnte sich bei seinen solistischen Eskapaden voll auf seine Streicher verlassen. Er hatte den Orchesterpart ganz auf die Möglichkeiten eines Laienorchesters abgestimmt. Trotzdem forderte es den Spielern äusserste Konzentration und Aufmerksamkeit ab.
Etwas besser zu Hause fühlten sich die Musiker offensichtlich in Sibelius' "Romanze" und erst recht im Eröffnungsstück des Abends, in der Orchestersuite G-Dur von Telemann. Letztgenanntes Werk war nicht zum ersten Mal auf dem Programm eines Christkönigskonzertes in Reiden. Genau vor elf Jahren hatte nämlich Pius Haefliger mit diesem Werk seinen Einstand gegeben. Ob das Werk auch damals schon so frisch und lebendig daherkam wie heute? Haefliger hat in den vergangenen Jahren erfolgreich mit den Orchesterleuten gearbeitet. Er hat währden dieser Zeit auch immer wieder Neuland betreten, originelle Programme zusammengestellt, selber viel Musik für seine Spieler arrangiert und nicht weniger als zehn Uraufführungen mit ihnen gepielt.
Für das diesjährige Christkönigskonzert hat man mit dem Kirchenchor Dagmersellen zusammengearbeitet. Im ersten Konzertteil hatten sich die Sänger und Sängerinnen mit Motetten von Anton Bruckner vorgestellt. Mit "Ave Maria" und "Locus iste" hatten sie sich keine leichte Aufgabe gestellt. Simon Jäger-Vogel leitete den Schor. Ein flexibler, dynamischer, gut ausgewogener Chorklang liess die anfänglichen kleinen Unsicherheiten schnell vergessen.
Mozarts Messe in C-Dur für Soli, Chjor und Orchester, die so genannte "Spatzenmesse", vereinigte Chor und Orchester zum wunderschönen Konzertabschluss, der durch die Topleistung der Solisten (Cécile Zemp-Sigrist, Sopran, Claudia Constanze Nagorsnik, Alt, Simon Jäger-Vogel, Tenor, Markus J. Frei, Bass) noch ein besonders feierliches Gepräge erhielt.
Renata Woll
Oberwiggertaler, 29. Juni 2006
Reife und überzeugende Leistung
Pius Haefligers Musik zu Chaplins „stummem“ Film „Die Entführung“ löste beim Publikum Begeisterung aus. Die Spieler des Orchestervereins Reiden zeigten eine reife Leistung.
„Stumme Filme lösen beim Betrachten nach einer gewissen Zeit eine eigenartige Beklemmung aus. Die Stille während des Films vertragen wir schlecht. Wir brauchen akustische Begleitung. Deshalb hat man früher die stummen Filme mit meist nichtssagendem Klavierspiel untermalt.“ erklärte Pius Haefliger bei der Einführung in seine Filmmusik-Komposition. Der Komponist dirigierte am Wochenende sein letztes Sommerkonzert mit den Reider Orchestermusikern und forderte sie dabei gewaltig heraus. Die Musiker nahmen die Herausforderung an und spielten mit. Ihre reife überzeugende Leistung beeindruckte. Natürlich waren während der rund 30-minütigen Nonstoppmusik gewisse Sicherheiten eingebaut, die es erlaubten, sich immer wieder exakt dem Geschehen auf der Leinwand anzupassen. So hielt man beispielsweise eine Fermate einfach so lange, bis der Dirigent deutliche Zeichen gab zum Weiterspielen. Absolut präzise kamen die Arpeggien der Harfenistin, haargenau passten die Einwürfe des Schlagzeugers. Er brachte gewisse Effekte des bewegten Bildes, etwa einen nicht ganz freundschaftlichen Fusstritt, erst richtig zur Wirkung. Die Streicher, verstärkt durch Klarinette, waren absolut präsent, beherrschten ihre Teile, und konnten frisch und unverkrampft aufspielen. Chaplin strapazierte mit seinen altbekannten Slapsticks die Lachmuskeln. Die Musik passte dazu. Das Spiel überzeugte. Das Publikum war begeistert.
Im ersten Teil des Programms erklangen bekannte Filmmelodien. „Der Titel des ersten Stückes, („Spiel mir das Lied vom Tod“ von Morricone), könnte als Eröffnung eines Sommernachtkonzertes etwas befremdlich klingen. Wir haben es trotzdem so gewählt, weil es eine Melodie ist, die Sie mit Sicherheit kennen.“ entschuldigte sich Haefliger. Die schöne und gut gespielte Musik liess dann schnell den traurigen Titel vergessen. Von Morricone erklang zudem „Gabriel's Oboe“. Diese Musik liess sich ganz gut auch mit Sopransaxofon interpretieren. Pius Haefliger solierte über einem satten Klangteppich, gewoben von Streichern und Harfe. Eine Nummer von Nino Rota fehlte ebensowenig (Romeo und Julia) wie eine solche von Elton John (The Lion King) in den Melodien, die Haefliger für seine Reider Orchesterleute arrangierte hatte. Und die Musiker dankten mit ihrer beachtlichen guten Leistung wohl ihrem engagierten innovativen Dirigenten für zehn Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit. Sie dankten damit auch ihrem treuen Publikum, das am Wochenende trotz Fussball-Weltmeisterschaft wieder in grosser Schar erschienen war.
Renata Woll
Wiggertaler Bote, 25. November 2005
Die Schönheit der Melancholie
"Psalms". Unter diesem Titel fand am Sonntag, 20. November in der Pfarrkirche Reiden das Christkönigskonzert des Orchestervereins Reiden statt. Die Musikerinnen und Musiker wurden diesmal von der Kantorei St. Michael aus Zug unterstützt.
Rund 350 Personen besuchten am frühen Sonntagabend das Konzert in Reiden. Die gewählten Werke waren nicht nur abwechslungsreich und gut gespielt, sondern sorgten für eine besinnliche Atmosphäre in der Pfarrkirche. "Die Rückmeldungen zeigen, dass es dem Publikum sehr gefallen hat", meinte Stephan Schwerzmann, Präsident des Orchestervereins, nach dem Anlass.
Überzeugender Solobariton
Die Kantorei St. Michael aus Zug eröffnete das Konzert mit zwei Motetten von Felix Mendelssohn Bartholdy. Nach einem leicht unsicheren Start entwickelte der Chor eine Stimmkraft, die unter die Haut ging. Nach dem Chor traten die Musiker des Orchestervereins auf die Bühne. Unter der Leitung von Pius Haefliger spielten sie zwei Stücke der "Elegischen Melodien" von Edvard Grieg. "Elegisch" ist eine Bezeichnung für Gedichte und Konzerte die klagend, wehmütig und traurig sind. Trotz der Traurigkeit der Stücke war die Leistung des Orchesters beeindruckend. Sie spielten so, dass die Zuhörer die Schönheit dieser Traurigkeit spürten.
Im dritten Teil des Konzerts waren nebst Streichern auch Bläser zu hören. Sie begleiteten Roman Walker. Er ist der künstlerische Leiter der Kantorei St. Michael. Als Solobariton sang er mit dem Orchester zehn biblische Lieder von Antonin Dvorak. Den Musikern machte es sichtbar Freude zu spielen und Roman Walker überzeugte mit seiner Stimme.
Psalmen - für einmal temporeich
Der Höhepunkt des diesjährigen Konzerts waren die "Chichester Psalms" von Leonard Bernstein. Die Zuhörer hätten laut Programm christliche Chormusik erwartet. Doch diese Psalmen wurden von Leonard Bernstein so geschrieben, dass neben besinnlichen Teilen auch ideen- und temporeiche Passagen zu hören waren. Gemäss Stephan Schwerzmann waren diese Stücke "sehr ungewöhnlich und anspruchsvoll für das Orchester und den Chor". Er sei sich deswegen nicht sicher gewesen, wie sie beim Publikum ankommen würden. Die Musiker haben die Herausforderung angenommen und zeigten in diesem letzten Teil nochmals ihr Können. Die Sorgen von Stephan Schwerzmann waren unbegründet. Die Psalmen gefielen dem Publikum sehr gut. Nach dem rund 90-minütigen Konzert wurden die rund 20 Streicher, die Bläser und die Sänger der Kantorei St. Michael mit einem lang anhaltenden Applaus verabschiedet.
Selina Villiger
Oberwiggertaler & Zofinger Tagblatt, 24. November 2005
Zauberhafte Melodien für Geniesser
Der Orchesterverein Reiden und der Kammerchor Kantorei St. Michael Zug konzertierten gemeinsam in der katholischen Kirche Reiden. Das Resultat war ein Genuss für das Publikum.
Alt und Jung in einer Symbiose, die Liebhaber weltlicher wie geistlicher klassischer Musik zugute kommt: Der 144-jährige Reider Orchesterverein (OVR) und die erst drei Jahre alte Kantorei St. Michael aus Zug traten zum zweiten Mal gemeinsam auf. Der Chor, geleitet von Roman Walker, eröffnete a cappella das Konzert vom Sonntag mit zwei Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy, den Motetten op. 69 Nr. 1 und 2. Der Chor verstand es, die beiden geistlichen Lieder äusserst nuanciert zu singen und damit eine berührende, festliche Stimmung in der Kirche zu schaffen.
Es folgte der Auftritt des Streichorchesters des Orchestervereins Reiden unter der Leitung von Pius Haefliger mit den Elegischen Melodien von Edvard Grieg, die mit ihren modernen Klängen die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer forderten. Die beiden Stücke, "Herzwunden" und "Letzter Frühling" zeugten von Wehmut und Abschied, von Trauer und Melancholie - Gefühle, die Grieg mit diesen Melodien ausgezeichnet umzusetzen wusste. Zusammen traten jetzt Orchesterverein - verstärkt durch Bläser - und Solobariton Roman Walker auf: Eindringlich und kraftvoll sang er die Biblischen Lieder von Antonin Dvorak, aufmerksam und feinfühlig gingen Dirigent, Orchester und Solist aufeinander ein, arbeiteten Finessen der Musik Dvoraks heraus. Die Leistung wurde vom Publikum mit viel Applaus belohnt.
Den Schlussblock bildeten die Chichester Psalms, komponiert von Leonard Bernstein. Chor und Orchester bezauberten mit den drei vertonten Psalmen, die vertraut, dann wieder ungewohnt durch die Kirche klangen. Das Publikum bedankte sich am Ende der Darbietung bei den Künstlern mit einem lange anhaltenden Applaus für das über eine Stunde dauernde Konzert, mit dem man sich wunderbar auf die kommende Adventszeit einstimmen konnte.
Rosmarie Brunner
Zofinger Tagblatt, 2. Juni 2005
Munter, lustvoll, Summertime
Mit einem starken Auftritt feierte der Orchesterverein Reiden sein Jubiläum 10 Jahre Direktion Pius Haefliger. Die Solistin Regula Schneider setzte mit ihrem Gesang Glanzlichter in einem spannungsvollen farbigen Programm.
Von Wiener Kaffeehausmusik bis zu Latin Music und Jazz-Standards reichte das Programm der Reider Orchestermusiker in ihrem Sommerkonzert. Pius Haefliger, der Dirigent, führte sein Orchester von Höhepunkt zu Höhepunkt. Was in den vergangenen Jahren immer wieder festgestellt werden konnte: die Musiker spielten unter Haefligers Stabführung munter erfrischend lustvoll drauflos ohne falschen Respekt vor „schwierigen“ Werken. Damit ist nicht gemeint, dass die nötige Sorgfalt vernachlässigt worden wäre. Die Musizierfreude der Reider Musiker war spürbar und liess den Funken schon gleich zu Beginn des Konzertes aufs Publikum überspringen. Mit ein paar Müsterchen aus der reichhaltigen Wiener Kaffeehausmusik, gespielt vom Orchester mit Jürg Broch als Stehgeiger-Solist, oder ausgeführt vom Trio Jürg Broch(Violine), Pirmin Walthert (Violoncello) und Petra Schwerzmann (Klavier), liess sich das Publikum fesseln.
Im zweiten Programmblock reiste man musikalisch nach Frankreich. Regula Schneider, in Reiden keine Unbekannte, interpretierte mit starker Stimme bekannte Chansons wie „Et maintenant“ „La vie en Rose“ und die „Hymne à l'amour“. Nicht Piaf oder Mathieu kopierend, nein, eben singend wie nur Regula Schneider es so kann: eindringlich, ergreifend. Ihre absolut stärksten Momente hatte Schneider in den Latin-Songs und den Jazz-Standards. Hier konnte sie die ganze Palette ihrer bestrickend eleganten Stimme in Jazz-Variationen ausspielen. Ob sie ihr Instrument, die Klarinette, singen liess oder ihre Stimme wie ein Instrument einsetzte, das Publikum war von ihrem Können fasziniert. Ihre Interpretation von Gershwins „Summertime“ am schwülwarmen samstäglichen Sommerabend wird wohl manch einem Zuhörer in angenehmster Erinnerung bleiben.
Nicht nur Gershwin, Leroy Andersen und andere namhafte Komponistennamen figurierten auf dem Programm. Auch vom Dirigenten Pius Haefliger wurden Werke aufgeführt. Bloss einige wenige Nummern des Programms waren nicht von ihm arrangiert oder gar von ihm selbst komponiert. Wie gut er seine Orchestermusiker kennt, genau weiss, was er ihnen zumuten kann, bewiesen die witzigen, schwungvoll gespielten Eigenkompositionen „Pizzango“ und „Forty Years“.
Mit einem Ragtime wäre das offizielle Programm beschlossen worden, hätten da nicht noch Ehrungen angestanden. Nicht nur Dirigent Haefliger wurde für sein 10jähriges Engagement gefeiert, auch unter den Orchestermusikern fand sich jemand, dessen Leistung speziell erwähnenswert war. Wenn einer 46 Jahre lang einem Verein treu diente, 30 Jahre davon als Präsident, diesem Verein jahrelang neue Mitglieder aus seinen Schülerreihen zugeführt hat, dann verdient er eine besondere Ehrung. Die Rede ist vom Bratschisten/Violinisten Franz Giger, dem zum Danke noch der Dauerbrenner „Entertainer“ von Scott Joplin gespielt wurde.
Renata Woll
Zofinger Tagblatt, 30. November 2004
Bogen zwischen Barock und Romantik
Glanzvolle Höhepunkte am Christkönigskonzert des Orchestervereins Reiden
Der Orchesterverein Reiden unter der präzisen Leitung von Pius Haefliger lud am 21. November zum Christkönigskonzert. Das ansprechende Programm im Spannungsbogen zwischen Barock und Romantik, Geistlichem und Weltlichem, Streichern und Bläsern, Solisten und Ensembles lockte ein schönes Publikum in die Reidener Kirche. Cécile Zemp, Sopran, und Markus Bucher, Englischhorn und Oboe, setzten dem als Solisten glanzvolle Höhepunkte.
Die eingangs dargebotene Kantate von J.S. Bach "Mein Herze schwimmt im Blut" mit einem Text voll Reue und Zerknirschtheit der Seele vor Gott" brachte in acht Sätzen eine abwechslungsreiche Folge von continuo- oder streicherbegleiteten Rezitativen, Arien und einem Choral für Solosopran und Oboe. Nach vielen schmerzreichen Moll-Klängen ertönte am Schluss eine versöhnliche, glückliche Dur- Arie im Rhythmus einer Gigue. Die Sopranistin Cécile Zemp und der Oboist Markus Bucher verströmten den Schmelz ihrer Stimmen stilsicher und modulationsreich. Das Orchester begleitete flexibel und dynamisch differenziert.
Etwas schwieriger wurde der orchestrale Einstieg ins opernhaft und romantisch geprägte "Concertino in G" von Gaetano Donizetti für Englischhorn und Orchester. Die Einleitung brachte überraschende Tempo- und Tonartwechsel. Doch dann durfte das Orchester -bestückt mit einer schönen Bläsergruppe- schwungvoll die immer virtuoseren Variationen des Englischhorns begleiten und trat nur in den Überleitungen selbst hervor. Markus Bucher bewältigte schnellste und höchste Passagen mit Bravour, wiederholte oft sehr virtuose, reich verzierte Teile im Pianissimo. Das Publikum dankte mit langem Applaus, und Markus Bucher zeigte in seiner Zugabe -einer Hirtenmusik für Englischhorn aus Richard Wagners Tristan- die lyrische, ein wenig melancholische Seite seines Instrumentes.
Die Streicherserenade in e-moll von Edward Elgar, ein sehr gefälliges romantisches Werk mit wunderschönen Melodien, war nun das eigentliche "pièce de résistance" des Streichorchesters. Es wurde vom Orchester sorgfältig und dynamisch gespielt. Der Dirigent war sehr stark auf rhythmische Klarheit ausgerichtet, und die war dann auch wirklich vorhanden. Vorab im zweiten langsamen Teil hätte ich mir das Fühlen in grösseren Melodiebögen gewünscht. Im letzten Teil steigerte sich das Orchester zu einem begeisternd klingenden Klangkörper.
Ein weiteres Werk von Donizetti, die "Sinfonia für Bläser", wurde von einem Oktett gespielt, ohne Dirigat (Pius Haefliger spielte Klarinette). Es bestand aus Flöte, zwei Oboen, zwei Hörner, Fagott und zwei Klarinetten. Das Publikum genoss es, die solistisch oder als Zuzüger im Orchester wirkenden Bläser in dieser Form, und in diesem ansprechenden und farbigen Werk zu hören.
Der Schluss brachte wieder barocke Musik. Das Concerto grosso in B von G. F. Händel mit seinen Concertino-Teilen gab nun auch andern Spielern des Orchesters solistische Funktion: die Stimmführer der Violinen, der Bratschen, aber auch Oboe und Fagott traten in den Concertino-Teilen hervor. Das fünfsätzige Werk war festlicher Schlusspunkt.
Ushma Agnes Baumeler
Oberwiggertaler, 25. November 2004
Labsal für die Seele
Überraschen! Sehr harmonisch, man kann schon sagen himmlisch war die Auswahl der Stücke. Ganz wunderbar, und wenn man bedenkt, dass der Orchesterverein Reiden ein Streichorchester ist, das von Hobbymusikern bestritten wird, dann Hut ab.
Eingeleitet wurde mit der Kantate Nr. 199 "Mein Herze schwimmt im Blut", gesungen von Cécile Zemp. Das "Gespräch" zwischen Sopran und Oboe (Markus Bucher) wird fabelhaft am Leben erhalten. Johann Sebastian Bach schrieb sehr wenige Kantaten, die keinen Chor enthielten. Diese ist eine davon.
Das Concertino in G-Dur für Englischhorn und Orchester von Gaetano Donizetti wurde nie zu Ende geschrieben und musste später ergänzt werden. Der Orchesterverein Reiden brachte danach die Sinfonia für Bläser als Kammermusik zu Gehör. Hier kam wirklich auf ein gutes Zusammenspiel an. Wenn der Dirigent selber zur Klarinette greift. dann erfordert das Spiel hohe Konzentration. Jedes einzelne Instrument konnte leuchten. Als Zugabe spielte Markus Bucher auf dem Englischhorn das Hirtenlied aus Richard Wagners "Tristan und Isolde".
Die Streicherserenade in e-moll, op. 20 von Edward Elgar war ein sternengleiches Stück, das nicht von dieser Welt war. Das Konzert wurde mit dem Concertino Grosso, op. 3 Nr. , B-Dur von Georg Friedrich Händel abgeschlossen. Ein Werk, wo Soloinstrumente in Verbindung mit dem Orchester zum Einsatz kommen. "Wegen seines festlichen Charakters eignet es sich als Abschluss für das Christkönigskonzert", steht im Programmheft. Dem ist nur hinzuzufügen: Wer nicht da war, hat was verpasst.
Corina Hartmann
Zofinger Tagblatt, 24. Juni 2004
Musikalische Reise nach Osteuropa
Klänge der Zigeuner und Klezmer im Pfarreisaal Reiden
rwo Der Orchesterverein Reiden beglückte am Sonntagabend im Pfarreisaal das zahlreiche Publikum mit einem frischfröhlichen Sommerkonzert. Osteuropa war zu Gast mit ungarischer und jiddischer Musik.
Der Name Ferenc Farkas stand für die Kunstmusik, Klezmer-Tänze und Czardas versprachen Volkstümliches. Beides wurde herzhaft fröhlich vorgetragen, beides kam beim Publikum vorbehaltlos gut an. Stücke «all' ungaresca» von Ferenc Farkas eröffneten und schlossen das Programm. Es wurde bald klar: Der Komponist war sowohl von der Volksmusik seiner Heimat Ungarn wie auch von der Renaissancemusik stark beeinflusst. Seine Werke gemahnten stark an Respighis «Antiche danze». Wie die Reider Streicher diese Musik vermittelten, war ein echter Ohrenschmaus, ein Erlebnis. Nichts war zu spüren von falschem Respekt vor «moderner Musik», vor «grossen Komponisten». Wenn ein Laienorchester so herzhaft frisch musiziert, verzeiht man auch gern kleine Intonationstrübungen, gelegentliche kleine rhythmische Unsicherheiten. Fein wurden die unterschiedlichen Charaktere der verschiedenen Sätze herausgearbeitet. Kraftvoller Orchesterklang wechselte mit reizvollen Pizzicato-Passagen. Sauber gelangen die Solostellen einzelner Register.
Klarinettensolist
Pius Haefliger, der Dirigent, trat auch gleichzeitig als Klarinettensolist auf. In Klezmertänzen, jener Hochzeitsmusik der osteuropäischen Juden, offenbarte er, welch ausdrucksstarkes Instrument die Klarinette ist. Man kennt sie in der Volksmusik. Klassiker, allen voran Mozart, liebten sie als Orchester- und Soloinstrument. Aus dem Jazz ist sie nicht wegzudenken. Für die Klezmermusik ist sie das wichtigste Instrument. Mit der Klarinette lässt sich jubeln, seufzen, lachen, klagen, singen. Haefliger führte die ganze Bandbreite dieser Möglichkeiten vor, sei es in einem Solosatz (einer der Klezmertänze), sei es zusammen mit dem aufmerksam begleitenden Orchester (Rumanian Hora, Chusidl & Bulgar), sei es zusammen mit einem anderen Solisten des Abends, dem Cimbalisten Matthias Würsch (Zoltan Györe: Palots Suite). Würsch seinerseits begeisterte das Publikum durch sein virtuoses Spiel auf einem Instrument, das man hierzulande nicht alle Tage zu sehen bekommt, dem Cimbal (Ferenc Farkas: Feast rom Esztergom). Es ist dies das charakteristische Instrument der Zigeunerkapellen, ähnlich dem Hackbrett.
Teufelsgeigermanier
Aus den orchestereigenen Reihen rekrutierten sich zwei weitere Solisten des Abends: die beiden Violinisten Didier Zurn (Konzertmeister) und Jürg Broch (Stimmführer 2. Violine). Broch erntete tosenden Applaus, als er auswendig, in echter Teufelsgeigermanier, vom Orchester ausgezeichnet begleitet den Ohrwurm «Csardas» von Vittorio Monti zum Besten gab. Neben Didier Zurn bestritt er gleich noch den zweiten Solopart in Farkas' «Aria e Rondo all' ungherese». Man erlebte einen Reider Orchesterverein, der es schaffte, technisch, rhythmisch und musikalisch knifflige Werke frisch und überzeugend zu präsentieren.
Zofinger Tagblatt, 28. November 2003
Ein starkes musikalisches Erlebnis
Eindrückliches Christkönigskonzert des Orchestervereins Reiden
Das Christkönigskonzert 2003 des Orchestervereins Reiden wurde zum ausserordentlich starken, eindrücklichen Erlebnis. Zwei Werke des Dirigenten und Komponisten Pius Haefliger bildeten den Hauptteil des Programms. Eingerahmt wurden sie von Barockmusik. Zum Orchester gesellten sich der Kammerchor Kantorei St. Michael, Zug (Leitung Roman Walker ), die Sopranistin Regula Schneider Sikora und Simeon Haefliger als Knabensopran.
Gelungenes Werk
Es ist wohl für ein Laienorchester nicht alltäglich, dass es Werke seines Dirigenten aufführen kann, dass es Solisten wie Regula Schneider Sikora begleiten darf. Die Reider Orchesterleute haben die Chance gepackt und das Werk "Dona Nobis Pacem" zusammen mit dem starken jungen Chor aus Zug zu einem einmaligen tiefen Hörerlebnis werden lassen. Haefligers Werk bezog den ganzen Kirchenraum in die Musik ein. Die Stimme der Sopranistin und das Echo-Saxofon erklangen zu Beginn von irgendwo aus dem Raum. Und diesen grossen Raum mit eindringlicher, fast archaisch klingender, sehr elastischer Stimme zu füllen, das verstand Regula Schneider hervorragend.
Nicht ganz einfach dürften die Chorpassagen zu singen gewesen sein: absolute Präsenz war nötig, Intonationssicherheit bis in die höchsten Lagen war verlangt. Gefordert, aber nicht überfordert war auch das Orchester. Es verstand es, dem Hörer eine für die meisten eher ungewohnte Klangwelt zu vermitteln, die Spannung durch das ganze dreissigminütige Werk aufrechtzuerhalten.
Schlichter Knabensopran als Kontrast
Einen Gegensatz zu den expressiven Ausbrüchen der Sopranistin bildete der schlichte kindliche Knabensopran (Simeon Haefliger). Mit grossem Ernst sang dieser seinen Part, sauber und klar. Es war die eindringliche Kinderstimme, die um Frieden flehte! Dem Zuhörer präsentierte sich Haefligers "Dona Nobis Pacem" als anspruchvolles Werk, das in der gehörten Interpretation berührte und bewegte. Etwas leichtere Kost, zumindest für den Zuhörer, bot die "Homage". Haefliger zeichnete hier nicht nur als Komponist, er spielte auch gleich den Solopart dieses "barocken" Werkes.
Mit Leichtigkeit und Eleganz meisterte er die mit vielen virtuosen Koloraturen voll gespickten vier Sätze, während das Orchester äusserst aufmerksam begleitete. Würden die Komponisten der Familie Bach heute leben, sie würden sich bestimmt mit Freude des Saxofons als Soloinstrument bedienen. So verband sich auch Haefligers Instrument in seinem sehr barock klingenden Werk mit dem Orchesterklang absolut organisch, wirkte keineswegs fremd.
Mit diesem Werk war auch die Brücke geschlagen zu den beiden Barock-Werken des Abends, dem "Credo" für Chor und Orchester von Antonio Lotti zur Eröffnung, und "O sing unto the Lord" für Soli, Chor und Orchester von Henry Purcell zum Abschluss. In diesen Werken gefiel das Orchester mit seiner durchsichtigen, leichten, barocken Spielweise, während Roman Walker als Bass-Bartion-Solist brillierte.
Neue Zuger Zeitung, 29. September 2003:
Eindringliche Worte am rechten Ort
Kirche St. Oswald, Zug. Ein Werk uraufführen zu können, ist
für Laienmusiker ein seltenes Erlebnis. Die Aufführenden wussten es
aufs Schönste auszukosten.
Anreas Nievergelt. Am Samstag jährte sich das schreckliche Ereignis im Zuger Kantonsratssaal zum zweiten Mal. Aber auch angesichts der allerjüngsten Vergangenheit mit ihren Versuchen, den Menschen einzureden, dass Probleme mit Gewalt zu lösen seien, hat die schlichte Gegenstimme "Dona nobis pacem" nichts an Eindringlichkeit eingebüsst. Mit ihrem Konzert an dem Tag, an welchem man der Gewaltopfer in Zug und auf der ganzen Welt gedachte, musizierten die Kantorei St. Michael Zug und der Orchesterverein Reiden aus, was die Menschen bewegt: die tiefe Besorgnis um den Frieden.
Klarheit und Plastizität
Inhaltliches Zentrum und als neuschöpfung auch Hautpattraktion des Programms war darum Pius Haefligers "Dona nobis pacem" für Solisten, Kammerchor, Englischhorn, Streichorchester und Pauke. Die mit einer halben Stunde Aufführungsdauer grosszügig mensurierte Vertonung fügt ihrer Textbasis kein einziges Wort hinzu. Die drei Wörter werden aus gleichsam vorsprachlichen Experimenten überprüft. Gegen Schluss hin ist der Bittruf dann geläufige menschliche Sprache geworden.
Diese Anschaulichkeit im Textlichen steht exemplarisch für Haefligers Geschick, die grosse Form mit Hilfe klarer Konzeption zu meistern. Klarheit und Plastizität erreicht Haefliger aber mit einem recht einfachen Rezept: Er organisiert den musikalischen Raum nach Prinzipien des traditionellen Theaters, indem er ihn in Akteure und Kulissen aufteilt. Erstere sind Solisten und die Stimmgruppen des Chores, die wenige Intervalle zu wechselnden Motivketten zusammenbauen. Den Instrumentalisten fällt hauptsächlich die Rolle zu, im Hintergrund Stimmungstableaus auszubreiten. Die Teile, wo Haefliger polyfon arbeitet, sind denn auch um einiges interessanter. Die dichten Chorpassagen zum Beispiel, wo die Akkorde auf irisierende Weise ständig durcheinander rutschen, lassen aufmerken.
Im Ausdrucksbereich operiert Haefliger etwas schwerlastig mit den Mitteln der Suggestion. Mit seiner Instrumentierung erreicht er eine gewisse Nächtlichkeit, aus der die Bitte um Frieden plausibel klingt. Mit monodischen Langtonreihen und schicksalshaften Paukenschlägen werden aber etwas viel Archaik und Mystifikation betrieben und mitunter die Grenzen des Geschmäcklerischen gestreift.
Packendes Hörerlebnis
Die Aufführendengestalteten die Uraufführung zu einem packenden Hörerlebnis. Allen voran bietet die von Roman Walker mustergültig vorbereitete Kantorei eine überragende Leistung. Die harmonisch ungemein vertrackten Tuttistellen meistert der Chor, ebenso wie die reizvollen einstimmigen Farbechos, mit bewundernswerter Überlegenheit. Die Sopranistin Regula Schneider Sikora steigt in ihrem impulsiven Vortrag weit über den Notentext hinaus, und Simeon Haefliger gestaltet den Knabensopranpart mit vorzüglicher Phrasierung und Intonationsreinheit. Zuverlässig, frisch und farbenfroh agiert der Orchesterverein Reiden. Die Organistin Eva Brandazza setzt mit ihrer markisgen Wiedergabe von Bachs G-Dur-Präludium und Fuge einen weiteren Glanzpunkt in das Programm.
Von Musizierfreude gezeichnet ist auch die Aufführung des Credos von A. Lotti. In Haefligers "Hommage" für Saxofon und Streicher, einem etwas gar tiefen Griff in die stilistische Mottenkiste, betreut der Komponist selber klangschön den Solopart.
Express:
- Die Kantorei St. Michael bot zum Gedenktag an die Gewaltopfer eine Uraufführung.
- Sie traf mit Haefligers "Dona nobis pacem" den richtigen Ton und den Nerv der Zeit.
- Die Laienmusiker boten den Zuhörerinnen und Zuhörer ein packendes Erlebnis.
Zofinger Tagblatt, 28. Mai 2003:
Drei Trümpfe ausgespielt
Peter Richner als Märchenonkel, grossartige Bläser- und
Perkussionssolisten, ein gut vorbereitetes und voll aufmerksames
Orchester und ein souverän leitender Dirigent Pius Haefliger liessen
das Sommerkonzert des Orchestervereins Reiden zum Erlebnis werden. Das
Publikum, erwartungsgemäss viele Kinder dabei, genoss das wohl
populärste musikalische Märchen, Prokofiews "Peter und der
Wolf".
Renata Woll. Drei Trümpfe hatte der Orchesterverein Reiden vergangnenen Samstag in Reiden auszuspielen: Erstens den guten Ruf ihrer Sommerkonzerte, bei denen man in den letzten Jahren stets mit Überraschungen rechnen konnte. Zum Zweiten das Hauptwerk des diesjährigen Programms, das musikalische Märchen "Peter und der Wolf", jedermann geläufig, aber kaum live gehört. Und als Drittes den Namen Peter Richner, den meisten Leuten von Radio- und Fernsehen bekannt. Er sprach den Text zum Märchen.
Und die Trümpfe stachen! Der Sonnensaal in Reiden war fast voll besetzt. Viele Kinder waren unter dem Publikum. Sie wollten wohl das Märchen hören. Nur fehlten erstaunlicherweise jene Kinder, die im vorausgegangenen Zeichenwettbewerb zum gleichen Thema Preise gewonnen hätten. Die Preisübergabe musste verschoben werden. Nicht verschieben musste man glücklicherweise die Musik. Sehr sorgfältig hatte sich das Orchester für den Abend vorbereitet; man war sich offensichtlich bewusst, wie schwierig es ist, ein so bekanntes Werk aufzuführen, Musik, die jedermann kennt. Man scheute auch nicht den Aufwand, hervorragende Bläser- und Perkussionssolisteun zu engagieren. So geriet das Werk Prokofiews, dieser witzige Instrumentenparcours, zu einem bemerkenswerten Erlebnis.
Stiessen die Musiker des Laienorchesters in ihrer Rolle als Peter bisweilen an ihre Grenzen (Intonation und Präszision bei gewissen Stellen der hohen Streicher), so gab es viele Momente, die zur Freude Anlass gaben, beispielsweise rhythmische Sicherheit und dynamische Differenzierungen beim Begleiten der Klarinette als Katze, der Flöte als Vogel, der Oboe als Ente und was der sämtlich gut besetzten Rollen mehr sind in diesem Märchen.
Die Dramatik in der Geschichte und ihrer Musik vermochte man zu steigern zum imposanten Höhepunkt im Triumphmarsch. Peter Richner als Sprecher der verbindenden und erläuternden Texte erwies sich als gute Wahl. Mit sparsam eingesetzter Gestik und eindringlicher Stimme gab er dem Geschehen den letzten Pfiff.
Eingerahmt wurde das Märchen von zwei weniger spektakulären Werken, der St.-Pauls-Suite von Gustav Holst und dem sechsteiligen Ungarischen Gesellschaftstanz von Mark Rozsavölgyj. Die Musiker mussten zu Beginn des Abends wohl erst etwas warm laufen, weshalb Holsts Suite noch ein bisschen spröde daherkam, während Rozsavölgyjs Tänze echte Kurkonzert-Atmosphäre aufkommen liessen. Diese ungarische Musik schien dem Orchester auf den Leib geschrieben. Es liess sich von seinem in zahlreichen virtuosen Soli glänzenden Konzertmeister Stephan Gfeller zu einer tollen Leistung mitreissen.
Zofinger Tagblatt, 28. November 2002:
Reizvolles Spiel
rwo. Am Christkönigskonzert des Orchestervereins Reiden vom
vergangenen Sonntag in der Pfarrkirche wirkten auch mit: der Cäcilienverein
Menznau (einstudiert von Theres Bühler), der Solist Adrian Zinniker,
Klarinette, sowie das Gesangssolistenquartett Cécile Zemp, Sopran,
Carmen Würsch, Alt, Simon Jäger, Tenor und Nicolas Fink, Bass. Die
Leitung oblag Pius Häfliger.
Jugendwerke von zwei ganz Grossen, die «Missa brevis» in F-Dur von
W.A. Mozart und die Sinfonie Nr. 12 von Felix Mendelssohn-Bartholdy,
rahmten ein Instrumentalwerk eines reifen Meisters ein, ein
Klarinettenkonzert von Johann Stamitz. Der Böhme Stamitz, Vater von
zwei ebenfalls bedeutenden Komponistensöhnen, erreichte nie das Format
eines Mozart, hat aber nebst einer Reihe interessanter, reizvoller
Kompositionen einen besonderen Ausweis vorzuweisen: Er war der Begründer
der «Mannheimer Schule», jener Institution, die durch ihre
Ausstrahlung eine ganze Musikepoche prägen sollte, und die in der «Wiener
Klassik» von Haydn, Mozart, Beethoven gipfelte. Stamitz' Werk fiel
neben den Kompositionen der beiden Genies keinesfalls ab. Dies verdankt
es einerseits der frischen, sauberen Spielweise des Orchesters, ganz
besonders aber der Interpretation des Solisten Adrian Zinniker. Der
Klarinettist - nebst diversen Orchester- und Kammermusikverpflichtungen
leitet er die Musikschule Reiden - schöpfte die Möglichkeiten seines
Instrumentes aus. Der elegante flexible Ton begeisterte ebenso wie die
saubere Technik. Auch die Kadenzen gefielen, sie gaben Zinniker die
Gelegenheit, seine Virtuosität unter Beweis zu stellen. Und das
Orchester liess sich vom erfrischenden Spiel des Solisten mitreissen und
trug seinen Teil zum Gelingen dieses reizvollen Werkes bei.
Wesentlich mehr Mühe bekundete das Orchester beim Eröffnungswerk, bei
der Sinfonie Nr. 12 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Das Jugendwerk des
Bach-Verehrers verlangte den Streichern alles ab und wirkte wohl unter
anderem auch wegen der dunkeln Tonart g-Moll etwas gar verhalten. Ein
grosses Kompliment verdienten sich die Streicher allerdings für den
recht langen dritten Satz. Obwohl hier die Grenzen des Laienorchesters
am deutlichsten hörbar wurden, gelang es trotzdem, eine Spannung
aufzubauen, diese durchzuziehen und zu steigern.
Der glanzvolle Schlusspunkt wurde mit einem Jugendwerk Mozarts, der «Missa
brevis» in F-Dur, gesetzt. Der Gastchor aus Menznau erledigte seine
Aufgabe gut, wobei vor allem das mit sehr guten Stimmen besetzte
Sopranregister angenehm auffiel. Man wünschte diesem Chor noch etwas
Verstärkung der Mittel- und Bassstimmen. Sehr homogen und überzeugend
fügten sich die Gesangssolisten ins Gesamtwerk ein, das vom Dirigenten
Pius Häfliger in seiner gewohnt ruhigen aber kraftvollen Art gestaltet
und geleitet wurde.
Zofinger Tagblatt, 18. Juni 2002:
Sommerabendkonzert zwischen E und U
Zu einem «frechen», aber gediegenen Sommerabendkonzert hat der Orchesterverein
Reiden (OVR) am Wochenende geladen. Und trotz schönem Wetter
folgten viele Musikbegeisterte wach und beglückt dem musikalischen
Angebot von Dirigent, Jazzkomponist und Arrangeur Pius Haefliger.
sb. Vieles, was heute als ernste oder «E-Musik» gespielt werde, habe ursprünglich
zum «U-Angebot», also zur Unterhaltung gehört. Mit diesen Worten führte
Pius Haefliger den Abend ein und erläuterte, dass beispielsweise zu
Johann Sebastian Bachs Menuett in der Barockzeit gegessen und getanzt
worden sei, derweil sich das heutige Publikum kaum mehr getraue, einem
Hustenreiz nachzugeben ...
Frech, aber versöhnlich
Das Programm, das Pius Haefliger zusammen mit dem OVR und einem
Jazz-Quartett für diesen Sommer einstudiert hat, besteht aus eben jenem
Menuett von Bach, zusätzlich kommen Party Pieces des modernen John Cage
von einer Bläser-Gruppe des OVR interpretiert, ein ebenso modernes
Adagio für Streicher von Samuel Barber (dem einzigen Stück aus der
E-Literatur, wie Haefliger sagte) und als Erstaufführung «Jazz-Ballade»
von Pius Haefliger zu Gehör. Dabei ergab es sich, dass die aus dem
deutschen und amerikanischen Sprachraum stammenden Komponisten die
Forderung «B-A-C-H» erfüllen, also namentlich mit einem dieser
Buchstaben beginnen.
In einem ersten Intermezzo gelangte der Beginn des Menuetts zur Aufführung.
Und nahtlos daran schlossen sich die ersten Party Pieces von John Cage
an, für das Ohr nach den barocken Klängen doch wohl eine Provokation,
die aber durch das dritte Stück, «Jazz Legato» von L. Anderson,
schmelzenden Blues, stark gemindert wurde. Im zweiten Teil wurde Bachs
Menuett fortgesetzt. Diesmal war der Gehörgang für die Party Pieces
bereits vorbereitet und Andersons Jazz pizzicato, ein Jazz-Stück nur für
zupfende Streicher, sorgte für geziemende Heiterkeit. Im dritten Teil
gelangte anschliessend an den Schlussteil des Menuetts und weitere Party
Pieces Pius Haefligers «Jazz-Ballade» zur Uraufführung, wobei hier
auch drei Jazzmusiker mitwirkten: Am Bass Christian Hartmann, am
Schlagzeug Dario d'Angelo, am Tenor-Sax Lukas Schaffhuser, während Pius
Haefliger selber das Vibraphon bediente.
Höhepunkte aus der West Side Story
Im vierten Teil des Programms wurde nun Bachs Menuett noch einmal, dafür
in ganzer Länge, durchgespielt. Statt der harten Party Pieces kam dann
nach einer kurzen Pause Samuel Barbers getragenes Adagio für Streicher
zur Aufführung. Und als furiosen Abschluss des 70-minütigen Konzertes
brachten Streicher, Bläser und Jazz-Gruppe gemeinsam acht Nummern aus
Leonard Bernsteins West Side Story, arrangiert von Pius Haefliger, zur
Aufführung. Lang andauernder Applaus belohnte die rund 30 Musiker, die
sich hauptsächlich aus jüngeren Spielern zusammensetzten. Es ist schon
erstaunlich, zu welch hoher Qualität selbst ein Orchester eines relativ
kleinen Luzerner Dorfes unter der einfühlsamen Leitung eines
bedeutenden Dirigenten gelangen kann. Vor der vom klatschenden Publikum
frenetiscch geforderten Zugabe (es war die Zweitaufführung von
Haefligers Jazz-Ballade) erklärte Haefliger nicht ohne einen gewissen
Stolz, dass der Tenor-Saxophonist Lukas Schaffhuser, der bei ihm in
Luzern in die Musikschule geht, erst seit zehn Monaten an diesem
Instrument übt!
Beglückt strömte am Sonntagabend das Publikum in die laue Sommernacht
hinaus, um ein aufbauendes Musik-Erlebnis und um die Erkenntnis reicher,
dass E-Musik durchaus unterhaltend sein und U-Musik ebenso ernsthaft geübt
und gespielt werden kann.
Oberwiggertaler, 27. November 2001:
Gelungenes Konzert
Einer der Höhepunkte im Vereinsleben von Cäcilienverein und Orchesterverein Reiden ist unbestritten das Christkönigskonzert. Am vergangenen Sonntag boten sie in Zusammenarbeit mit Instrumental- und Gesangsolisten sowie dem Kirchenchor Dagmersellen eine eindrückliche Darbietung.
rw. Das Orchester mit Dirigent Pius Haefliger hatte sich für das diesjährige Konzert hohe Ziele gesteckt: Nebst einer Schubert-Messe standen ein Concerto Grosso von Ralph Vaughan Williams und "Danses" von Claude Debussy für Harfe und Streichorchester auf dem Programm.
Der Start des Concerto Grosso wirkte noch etwas verkrampft. Den Musikern gelang es aber, ihre Nervosität abzulegen und sich con Satz zu Satz zu steigern. Der Wechsel zwischen Concertino und Tutti gelangen ebenso sauber wie schwierige Taktwechsel.
Hauptattraktion des Abends war die Harfe, ein Instrument, das man nicht allzu oft zu hören bekommt. Die Harfenistin Nicola Hanck spielte eine konventionelle Pedalharfe, was für die zwei Tänze von Debussy eine zusätzliche Schwierigkeit bedeutet. Dieses Werk war ausdrücklich für die damals neuartige "kreuzbespannte, chromatische Harfe" komponiert worden. Die Solistin begeistere mit natürlichem virtuosem Spiel. Dabei wurde sie vom Orchester diskret und äusserst aufmerksam begleitet. Absolut souverän beherrschte sie das Instrument auch in ihrem Solostück von Gabriel Pierné. Keine Effekthascherei war auszumachen: betörend schöne, teils äusserst zarte Klänge entlockte Nicola Hanck ihrer Harfe.
Der zweite Teil des Konzertes gehörte dem Cäcilienverein. Er war dieses Jahr erstmals durch den Kichenchor Dagmersellen verstärkt. Für die Messe in G-Dur on Franz Schubert wurden Bläser zugezogen. Nicht nur für die Chorverstärkung, auch für das Solistenensemble waren die Organisatoren im Nachbardorf fündig geworden: nebst der bekannten Sopranistin Cécile Zemp hörten die Konzertbesucher den Kirchenchordirigenten Simon Jäger als Solotenor. Den Bariton-Part bestritt Nicolas Fink.
Obwohl nun ein recht stattlicher Chor beisammen war, wirkte der Klang keineswegs schwerfällig oder bombastisch, sondern erstaunlich schlank und elastisch. Etwas Ermüdung schlich sich im Credo ein. Dies führte zeitweise zu leichten Trübungen in der Intonation und zu kleinen rhythmischen Unsicherheiten. Spätestens beim Hosanna schien aber alle Müdigkeit überwunden zu sein.
Cécile Zemp sang das Sopransolo mit einer zwar reifer gewordenen, aber immer noch schlanken elastischen Stimme, die zu Herzen gehet. An ihrer Seite gab Simon Jäger als Tenor eine kurze, aber eindrückliche Kostprobe seines Könnens. Ebenbürtig setzte sich Nicolas Fink mit seinem angenehm warmen Bariton in Szene.
Der Einsatz von Dirigent, Orchester, Solisten und Chören hat sich gelohnt: mit einem eindrücklichen Konzertabend beschlossen sie das Kirchenjahr.
Oberwiggertaler, 28. Juni 2001:
Sommerkonzert erster Klasse
Man durfte gespannt sein: Eine weitherum bekannte und gefragte Solistin des Gesangs und der Klarinette, ein blutjunger Solist am Akkordeon, die Uraufführung eines Werkes von Pius Häfliger, wahrlich ein verheissungsvolles Programm.
rw. Das Programmblatt verriet es schon auf den ersten Blick: das Orchesrt Reiden hat isch endgültig vom Image des dem Barock und der Frühklassik verpflichteten Ensembles verabschiedet. Es war dieser Epoche jahrelang treu gewesen und hat dabei auf einem für ein Laienorchester erstaunlichen Niveau musiziert. Seit einiger Zeit nun wagt es unter Leitung von Dirigent Pius Haefliger Schritte hin zu einer anderen Musik. Dies vorab in den Sommerkonzerten.
So wurde es denn möglich, am Samstagabend einem Konzert beizuwohnen, das einerseits berauschende Kurkonzert-Atmosphäre verbreitete (Französische Chansons) und andererseits die Zuhörer auf unaufdringliche Weise mit zeitgenössischer Musik (John Rutters Suite und Haefligers "Chroma") konfrontiert.
Letztgenanntes Werk, die am Samstag uraufgeführte Suite "Chroma" des Hausdirigenten geriet zu einem Höhepunkt des Abend. Haefliger kennt den jungen Solisten Urs Lötscher einerseits und "sein" Orchester andererseits offensichtlich so gut, dass er genau wusste, was er von ihnen verlangen konnte. Urs Lötscher hatte sich schon gleich zu Beginn des Konzertes mit einer Musette vorgestellt, die eine fast schwindelerregende Virtuosität der Finger erforderte. Und nun stelle er als Solist in "Chroma" seine Musikalität und sein technisches Können auf dem Akkordeon nochmals unter Beweis. Das Zusammenspiel mit dem sehr aufmerksamen, sehr präsenten Orchester klappte vorzüglich. Haefliger dirigierte zeitweise vom Vibraphon aus, das er gleich selber spielte. Die Komposition offenbarte eine erstaunlich Bandbreite der Möglichkeiten des Akkordeons. Spannungsvolle Atmosphäre herrschte zu Beginn der Suite und ging dann in die Leichtigkeit einer Musette über. Solokadenz und kammermusikalische Besetzung (Violine, Klarinette, Vibraphon und Violoncello) prägten den dritten Satz, der in eine Danza mündete, nun wieder vom ganzen Orchester begleitet. Eine Danza, die in die Beine ging, man hätte mittanzen mögen, wären da nicht die wechselnden Taktarten gewesen. Man darf sich darauf freuen, hoffentlich bald weitere Kostproben von Haefligers Schaffen zu Gehör zu bekommen.
Zwischen den folgenden Chansons eingeschoben war , sozusagen als Aussenseiter, die Suite des Engländers John Rutter (Jahrgang 1945). Volksliedhafte, tänzerische Musik, die leicht ins Ohr ging. Auch hier wieder ein Streicherensemble, das erstaunlich sauber intonierte und rhythmisch akzentuiert spielte.
"Abgeräumt", um im Jargon der jugendlichen Zuhörer zu sprechen, hat natürlich die weitherum bekannte Musikerin Regula Schneider mit den von Pius Haefliger stilsicher arrangierten Französischen Chansons. Man hörte Ohrwürmer wie "Les feuilles mortes", "Et maintenant", "L'hymne à l'amour" sowie "Chanson d'amour", welches dann auch als Zugabe wiederholt wurde. Mit betörender Sinnlichkeit, mit einer Stimme in reicher Farbskala begeisterte die Sängerin das Publikum.
Das Samstagabendkonzert hat es bewiesen: Der Orchesterverein Reiden befindet sich auf dem richtigen Weg. Wie liesse es sich anders erklären, dass sowohl im Orchester eine ansehnliche Anzahl junger Spieler und Spielerinnen, als auch im Publikum sehr viele junge Zuhörer auszumachen waren.
Mit Chansonohrwürmern in den Ohren und Danza-Rhythmen in den Beinen konnte man beglückt den Heimweg antreten.